Joseph Kirschner, österreichischer Autor schrieb in den 80er Jahren in seinem Buch „Streiten verbindet“ über den Küchenstreit, ein Streit, der zu nichts führt außer zu einer Eskalationsspirale, die häufig einen Ikea Besuch in der Küchenabteilung nach sich zieht. Auch Watzlawick spricht im Kontext seines 3. AXIOMS von dem „Schema eines Ehestreits“, welches ähnliche Effekte wie von Kirschner beschrieben hervorruft.
Der Begriff der Interpunktion hat nichts mit Grammatik zu tun, sondern kennzeichnet eine Schnittstelle zwischen Ursache und Wirkung oder Reiz und Reaktion. Ich denke auch Sie hatten schon mal einen Streit, vielleicht sogar einen Küchenstreit. Ein Partner löst einen Reiz aus, der andere Partner reagiert oder überreagiert. Eine Überreaktion wird bei dem erst Genannten eine weitere Reaktion usw. usw.
Da können dann irgendwann schon mal Eierbecher oder Essigflaschen die Flugbahn kreuzen.
Für die private und berufliche Kommunikation gilt beiderseits, jeden Reiz genau zu bedenken. Ein negativer Reiz auf der Beziehungsebene, wirkt immer stärker als auf der Sachebene.
Stellen Sie sich vor, Sie treffen morgens auf dem Parkplatz einen Kollegen, mit dem Sie sich gut verstehen und auch sachlich in der Teamarbeit sehr nah beieinander liegen. Auf dem Weg ins Gebäude machen Sie eine etwas unglückliche Bemerkung bezüglich der Ehefrau Ihres Kollegen. Sie erkennen auch an seiner Mimik und Körpersprache sofort eine gewisse Abwehr oder sogar Frustration. Sie sind aber schon im Gebäude und betreten auch sofort den Meeting Raum, in dem schon einige Kollegen sitzen. Sie finden jetzt keine Gelegenheit mehr, Ihre verunglückte Aussage ins richtige Licht zu stellen. Das Meeting startet auch sofort und Sie sind auch gleich an der Reihe ein von Ihnen gestelltes Change Request zu begründen. Ihr Kollege aber fängt an, Ihre Begründung fast destruktiv zu kritisieren, obwohl er noch gestern mit Ihnen in allen Belangen des CR konform ging.
Nun, in diesem Beispiel wird der Grundsatz deutlich, „die Beziehungsebene dominiert die Sachebene“. Eine optimale Beziehungsebene bedeutet natürlich nicht, dass man keine Kritik auf der Sachebene erhält. Die wird dann aber eher konstruktiver Natur sein.
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Wir Menschen können ein wenig Pantomime ohne sie bewusst einzusetzen. Schon Babys können automatisiert lächeln. Und das sogar schon im Mutterleib. Schon im Mutterleib trainieren sie ihre Gesichtsmuskeln durch vermeintliches Lächeln. Und wenn Mutti dann in der zweiten Woche nach der Geburt ein Lächeln beim Baby identifiziert, sind die Glücksgefühle überwältigend und man wähnt, ein hochbegabtes Kind gezeugt zu haben, das schon extrem früh bewusst die Umwelt wahrnimmt. Dabei trainiert das Baby nach wie vor nur seine Gesichtsmuskeln. Theoretisch könnten die Gesichtsmuskeln aber auch durch ein fury face trainiert werden. Aber welche Mutter und erst recht welcher Vater, verliebt sich in sein Kind, wenn er ständig in ein Wut entbranntes Baby face schaut. Forscher nennen das Lächeln der Babys in den ersten 6 Wochen „Engelslächeln“, womit das Baby quasi instinktiv seine Bezugspersonen an sich bindet. Ich bin immer wieder erstaunt, was die Evolution so alles zufallsbedingt für uns Menschen eingerichtet hat. Und alles vollkommen agil, ohne jeden Plan 😉
Nun, irgendwann nimmt das Baby die Reaktionen seiner Bezugspersonen wahr. Und siehe da, immer wenn das Baby seine Gesichtsmuskeln trainiert, trainiert auch Mutti oder Papi die Gesichtsmuskeln. Und nicht nur das, Mutti oder Papi oder manchmal auch beide gleichzeitig, trainieren nicht nur ihre Gesichtsmuskeln, sie geben auch so niedliche Geräusche von sich: Heiteitei, nulli nulli nulli, Ja wo ist denn mein Wonnepfroppen….. Und weil Baby das so schön findet, lächelnde Gesichter und euphonische Geräusche, entschließt es sich so etwa ab der 6. Woche ganz bewusst, die Gesichtsmuskeln häufiger zu trainieren. Man muss jetzt nur noch entscheiden, wer wen konditioniert, das Baby die Eltern oder die Eltern das Baby?
Mit einem Jahr lächelt ein Baby etwa 400-mal am Tag. Mit dem älter werden wird das dann leider immer weniger, dem Menschen vergeht im wahrsten Sinne des Wortes das Lachen. Ein Erwachsener lacht durchschnittlich nur noch 25-mal am Tag. Ist das nicht schade?
Tatsache ist, dass das Lachen eines Menschen die produktivste Form einer Kommunikationsannäherung ist. Zudem gehört es nach Watzlawicks Interpretation zu den analogen Signalen. Alle nonverbalen Signale sind analoge Signale. Dagegen alle schriftlichen Informationen, sind digitale Modalitäten oder Informationen. Hat also nichts mit IT zu tun. Die digitalen Informationen sind nach Watzlawick eindeutig, womit ich persönlich nicht ganz konform gehe. Auch digitale Informationen können Interpretationsbedarf involvieren. Bspw. funktionale oder nicht funktionale Anforderungen an ein Projekt, können durchaus nicht eindeutig formuliert sein und Rückfragen erzeugen. Allerdings hat Watzlawick Recht, wenn man unterstellt, dass es zumindest rein theoretisch möglich ist, digitale Informationen eindeutig, nicht interpretierbar zu formulieren. Hinzu kommt der kulturelle Aspekt: Wenn ein Türke schreibt, „Segen auf Deine Hände“, dann wird der Deutsche darunter nicht verstehen, dass hier „lecka gekocht“ wurde.
Die Möglichkeiten, analoge Informationen zwiespältig wahr zunehmen, sind allerdings ungleich größer. Ob ein Zuhörer friert oder mit meinen Ausführungen überhaupt nicht einverstanden ist, wenn er die Arme vor der Brust verschränkt, kann manchmal schwer zu entscheiden sein. Deshalb sollte sich jeder Redner auch gar nicht mit irgendwelchen negativen Gedanken abgeben, wenn die Körpersprache einiger Zuhörer auf ihn negativ wirkt. D.h. natürlich nicht, dass er Signale der Überforderung oder des nicht Verstehens nicht wahrnimmt. Diese Signale sind aber i.d.R. leicht zu identifizieren.
Im Gegensatz zur Eindeutigkeit der digitalen Informationen, spricht Watzlawick bei den analogen Informationen von „Ähnlichkeitsbeziehungen“. Räuspert sich jemand aus Protest oder weil ihm der Hals kratzt? Die Aktion ist quasi identisch, die Intention dagegen fraglich.
Das Eltern und Kinder in einer komplementären Beziehung leben, dürfte unbestritten sein. Im Risikomanagement ist das wohl bekannteste Komplementär – Risiko der Tsunami. Für manche Menschen ist das größte Komplementär Risiko ein Kind.
Die eigentliche komplementäre Beziehung zwischen Eltern und Kindern ergibt sich aber dann doch wohl erst, wenn das Kind da ist. In den ersten Jahren wäre das Kind ohne Eltern oder Bezugspersonen nicht überlebensfähig. Auch später, bis in die Zeit der Pubertät kann man nicht von Egalität zwischen Eltern und Kindern reden. Allein schon, weil Eltern Kindern Grenzen setzen sollten. Wenn meine 13 jährige irgendwo die ganze Nacht Party macht, wird mich dies als Eltern nicht besonders glücklich machen. Wenn mein Filous heimlich raucht, werde ich das Gespräch mit ihm suchen und zur Not auch einen Zwangstermin festsetzen.
Diese nicht egalitären Beziehungen sollten sich meiner Ansicht nach auch in den Sprachregistern wiederspiegeln. Sprachregister nehmen einen erheblichen Einfluss auf unser Unterbewusstsein und dominieren damit die Beziehungsebene zwischen Menschen aller Art, auch Eltern und ihren Kindern. (Lesen Sie dazu: Menschen oder Mitarbeiter? Beeinflussen „Sprachregister“ Verhalten? )
Wenn das Duzen/Ansprechen mit Vornamen Teil einer generellen Vermeidung von elterlicher Autorität ist, zeigen sich in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter häufig folgende Dynamiken:
Frühe Parentifizierung (Überforderung durch Verantwortung): Wenn Kinder das Gefühl haben, auf absoluter Augenhöhe mit den Eltern zu stehen, übernehmen sie unbewusst oft Mitverantwortung für emotionale oder familiäre Probleme der Eltern. Sie verlieren das Recht, einfach nur „Kind sein zu dürfen“.
Autoritäts- und Orientierungsprobleme im Außen: Kinder, die zu Hause keine klare hierarchische Differenzierung gelernt haben, tun sich später oft schwer, die natürliche Autorität von Lehrern, Ausbildern, Chefs oder staatlichen Institutionen zu akzeptieren. Es fehlt das tief verinnerlichte Schema von „Führung und Gefolgschaft“.
Schwierigkeiten bei der Ablösung (Pubertät): Die Pubertät dient dazu, sich an den Eltern zu „reiben“ und sich von ihrer Autorität abzugrenzen. Wenn aber gar keine klare Eltern-Autorität da ist, gegen die man rebellieren kann (weil „Klaus“ ja ohnehin wie ein Kumpel agiert), wird der Ablösungsprozess oft diffus, orientierungslos oder unnötig aggressiv.
Gefühl von Unsicherheit statt Freiheit: Entgegen der Intention mancher Eltern führt das Wegfallen von Grenzen und klaren Rollen bei Kindern selten zu innerer Stärke, sondern oft zu Orientierungslosigkeit und verdeckter Zukunftsangst.
Die Anrede „Mama“ und „Papa“ ist mehr als nur eine Tradition – sie ist ein sozialer und psychologischer Anker.
Wird dieser Anker durch den Vornamen ersetzt, signalisiert das dem kindlichen Unterbewusstsein eine Gleichrangigkeit, die biologisch und entwicklungspsychologisch in den ersten 15 bis 18 Lebensjahren schlicht nicht gegeben ist. Die Spätfolgen zeigen sich häufig in einer schwächeren Frustrationstoleranz, Problemen mit gesellschaftlichen Strukturen sowie einer unbewussten Überforderung durch zu frühe Gleichstellung.
Wenn der 15 jährige in der U-Bahn „Oppa mach mal Platz, ich will da sitzen“ brachial umsetzt, dann liegt es daran, dass uns Medien und Filme seit den 68ern suggerieren, Egalität zwischen Erwachsenen und Pubertierenden wäre schon ok. Sympathische Schauspieler verkaufen dieses Bewusstsein, dass sich immer tiefer in unser Unterbewusstsein gräbt. Inwieweit viele dieser Filmemacher und Regisseure prädestiniert sind, moralische Standards zu suggerieren, zeigen jetzt die vielen Fälle von sexuellen Übergriffen und sexueller Gewalt im Kontext des KI Hypes auf Frauen, die von genau diesen „Meinungsmachern“ vollzogen wurden.
Im beruflichen Alltag gilt jedenfalls noch der klassische Ansatz. Haben Sie es mit Vorgesetzten zu tun, handelt es sich um eine nicht symmetrische Beziehung, also einer komplementären Beziehung.
Für die Führung von Teams ist vorzuschlagen, dass Sie Ihre Mitarbeiter aus einer symmetrischen Perspektive führen, was nicht heißt, dass Sie ihnen das „DU“ anbieten sollten. Eine symmetrische Atmosphäre zu schaffen, suggeriert Ihren Mitarbeitern Respekt und Anerkennung. Ein Mitarbeiter dagegen sollte immer den komplementären Umgang mit seinen Vorgesetzen pflegen, auch wenn der Vorgesetzte den symmetrischen Ansatz suggeriert. Tatsache ist, dass er in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Vorgesetzten steht.