Rolling Wave Planning (RWP) gleich agil? Natürlich, was denn sonst? Aus eigener Erfahrung kann ich nur den PMBOK Guide 3th aus dem Jahr 2004 anführen. Allerdings unter dem Namen „Rolling Wave Planning“. Zu gut deutsch „Rollierende Wellen Planung“. In den deutschen Übersetzungen immer als „Rollierende Planung“ bezeichnet. Wobei dies die eigentliche Vorgehensweise nicht wirklich beschreibt. „Rollierend“, beschreibt eine Tätigkeit auf der Stelle tretend, also nur Iteration, ohne Fortschritt. „Rollierende Wellen Planung“ dagegen, beschreibt beides, „Fortschritt und Iteration“.
Recherschen ergaben aber folgendes:
1st Edition (1996): Bereits in der ersten offiziellen Ausgabe des PMBOK® Guide wurde das Prinzip als grundlegende Technik beschrieben. Es war eng verknüpft mit der Progressive Elaboration (fortschreitenden Ausarbeitung). Das PMI betonte schon damals, dass Projektpläne keine statischen Dokumente sind, sondern nahe bevorstehende Arbeiten detailliert und weit entfernte Phasen zunächst nur auf hoher Ebene (grob) geplant werden.
Ken Schwaber und Jeff Sutherland haben 2001 das „Agile Manifest“ veröffentlicht. Könnte das „Rolling Wave Planning“ als Inspiration gedient haben? Iterationen waren ja, wie weiter oben aufgezeigt, im RWP schon enthalten. Der Text beschreibt auch sehr ausführlich, wie RWP zu funktionieren hat. Alle unbekannten Arbeitsinhalte, in weiter hinter liegenden Perioden, sollten davon betroffen sein. Zumindest dann, wenn die Anforderungen unklar waren oder die Expertise noch fehlte.
Eine Welle bewegt sich nach vorn, die Welle in sich erzeugt Iterationen.
RWP hat nichts mit „Wasserfall“ zu tun, kann aber im Rahmen eines Wasserfall Entwicklungsansatzes angewendet werden. Quasi ein moderner Vorläufer der hybriden Entwicklungsansätze.
Das RWP wurde dann auch im Projektstrukturplan (PSP/WBS*) berücksichtigt. Hier gab es und gibt es neben Liefergegenständen auf der höchsten Ebene, sowie heruntergebrochen auf darunterliegenden Ebenen (Baumstruktur), Arbeitspakete, Kontrollkonten, und ganz wichtig in diesem Kontext: Planungspakete! Wobei es da noch ein paar andere Aspekte gibt. Eine alternative Vorgehensweise wäre, alle Planungspakete unter einem Kontrollkonto zusammen zu fassen. Das hat den Vorteil, dass diese geschätzten Kosten und Aufwände insgesamt, noch als sehr fragil oder konzeptionell deklariert werden können. Planungspakete stellen quasi Platzhalter dar, die für die noch unbekannten Anforderungen und Expertisen im PSP unterhalb der Kontrollkonten platziert werden. So kann man zumindest grob Aufwand und Kosten schätzen, die auf keinen Fall bei Null liegen können. Im Kontrollkonto werden alle darunterliegenden Arbeitspakete und Planungspakete subsummiert. Alle Kontrollkonten ergeben die Performance Measurement Baseline des Projekts
Bestehen Sie die PMP®-Zertifizierung sicher und flexibel über unsere innovative Online-Plattform. Wählen Sie passgenau: Komplettkurs inklusive der offiziellen 35-Stunden-Kontaktstunden oder als reines Prüfungstraining. Nutzen Sie KI-gestützte Lerneinheiten für maximalen Lernerfolg zu einem absolut unschlagbaren Preis. Jetzt informieren auf trainerknowledge-ai.training und die Karriere auf das nächste Level heben!
Trainer Live Videos – Storytelling – ECO 2026 Bezug
.In der Version 8th S.196 als auch auf der PMIstandards+ wird Rolling Wave Planning folgendermaßen kommentiert: „It is a form of progressive elaboration applicable to work packages, planning packages, and release planning when using an agile or waterfall approach.“
Hier wird jetzt der agile Kontext zum ersten Mal explizit beschrieben.
Auch SCRUM kennt Analogien zum Planungspaket. Auf einem Burndown-Diagramm werden auf der X-Achse die Anzahl der Sprints angezeigt. Auf der Y-Achse die Aufwände oder Story Points. Beispiele in verschiedenen agilen BLOGS bilden dort um die 10 Sprints auf der X-Achse ab. Bei der Dauer von zwei Wochen also eine Prognose von etwa 20 Wochen. So ganz ohne horizontale Perspektive geht es auch im agilen Projektmanagement nicht. Allerdings legt man keine Deadline fest.
Da alle Sprints nach dem ersten Sprint, inhaltlich nicht geplant werden, entsprechen sie analog den Planungspaketen aus dem prognostizierenden Projektmanagement. Interessant ist auch, dass der Begriff „prognostiziert“ häufig in agilen BLOGS auftaucht. Daher versucht man sich vom prognostizierenden Projektmanagement mit dem Begriff „klassisches Projektmanagement“ abzugrenzen. Obwohl es sich bei allen Szenarien des PmBok Guides, eindeutig um Prognosen handelt und nicht um etwas „Klassisches“. Ich kann es nicht oft genug sagen: „Der PmBok Guide verwendet nicht einziges Mal den Begriff „klassisches Projektmanagement“!
Allerdings ist der Lernstoff der agilen Inhalte im Vergleich zu den Werkzeugen und Methoden des bisherigen PmBok Guides als marginal zu bezeichnen. Schließlich sind die meisten Werkzeuge und Methoden (Stichwort SCRUMBUTS) nach wie vor auch für das agile PM von Interesse und gültig. Oder es existieren sehr viele Ähnlichkeiten im agilen PM, mit Werkzeugen und Methoden, die schon seit Jahrzehnten im PmBok Guide existieren. Beispiel: Meilenstein Trendanalyse (MT) und Burndown-Diagramm. Wer die Meilenstein Trendanalyse verstanden hat, versteht auch sehr schnell das Burndown-Diagramm. Man verlegt die Ankathete (Berichtszeitpunkte in der MT) einfach wieder auf die untere Ebene, lässt die Hypotenuse beiseite, und schon kann man ein Burndown-Diagramm daraus basteln.
Man kann also durchaus folgende Entwicklung des agilen PM beschreiben:
Der PmBok Guide legte den Grundstein mit dem Rolling Wave Planning. Agilisten erkannten die Sinnhaltigkeit des RWP, aber auch das fehlende Konzept. PMI erkannte den Sinn des Konzepts der Agilisten und schusterte eine Symbiose, die den Frame mit dem robusten, vertikale Fundament „The wall“ verband.