Serie: Die fünf AXIOME des Paul Watzlawick

Sind Sie ein nicht nicht Kommunizierer – oder nicht?

Manche Menschen meinen, wenn Sie verbal nichts formulieren, gelten Sie als Kommunikationsverweigerer. Wenn die kleine Lena „ich sage jetzt gar nichts mehr Mutti“, die Arme verschränkt und die Lippen zusammen presst, glaubt sie subjektiv, mit Mutti nicht mehr zu kommunizieren, oder zumindest will sie, das Mutti dies genauso wahrnimmt.

Nun, ich denke, jeder Leser wird schon jetzt dazu tendieren, die vermutete „Nichtkommunikation“ von Lena in dieser Situation zu bezweifeln. Auch eine erfahrene Mutter wird die Reaktion der Lena intuitiv anders interpretieren. Sie wird den Arm um sie legen und mit wohlwollender Stimme auf Lena eingehen  „meine kleine Lieblingstochter wird doch jetzt nicht schmollen…“.

Unbewusst beachtet die Mutter das erste AXIOM von Paul Watzlawick, einem Kommunikationsforscher aus Österreich, das da lautet:

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind heute schlecht drauf, müssen aber zum Arzt. Sie betreten mit gesenktem Blick im Stechschritt das halb gefüllte Wartezimmer– Fokus auf Ihre neuen originalen Western Stiefel aus weiß schwarzen Schlangen Leder gerichtet –  und setzen sich ohne jemanden zu grüßen, auf einen der Stühle. Ihre Intention: Mit niemanden zu kommunizieren!  Daher zücken Sie auch gleich Ihre Bild Zeitung aus der Seitentasche und verstecken sich so elegant dahinter, dass für alle anderen Wartenden nur Ihre Beine und natürlich Ihre neuen Western Stiefel sichtbar sind. Wenn Sie jetzt Pech haben und ein sehr kommunikativer Mensch im Wartezimmer sitzt, der Sie fragt „Man Sie haben ja super schöne Westernstiefel an, wo haben Sie die denn gekauft?“ können Sie Ihre Intention in die Tonne kloppen.

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Die Inhalte der Prüfung können hier einsehen: DOMAIN 1: Menschen

Ein Mann macht fürchterliches Theater, weil er nicht kommunizieren möchte. Die Gruppe Menschen um ihn herum, können nicht anders. Sie nehmen seine Intentionen wahr, ob sie wollen oder nicht.
Kommunikation lässt sich nie vermeiden. Die Frage ist nur, wie man Ihr Verhalten interpretiert.

Nun, Ihre Intention dürfte nicht „Mit niemanden zu kommunizieren!“ lauten, sondern müsste „Mit niemanden in einen Dialog treten“ lauten. Sie haben quasi ähnlich auffällig Ihre Intention ins Wartezimmer ausgestrahlt, wie Lena dies gegenüber Ihrer Mutter deutlich gemacht hat. Leider hatten Sie Pech. Der aus Ihrer Sicht „vermeintliche Ignorant“ ist ein Türke aus der Türkei und hat ein vollkommen anderes kulturell bedingtes Kommunikationsverhalten als ein in Deutschland sozialisierter Mensch. Für Türken aus der Türkei spielt es keine Rolle, ob Sie nun die Intention „Mit niemanden zu kommunizieren!“ oder „Mit niemanden in einen Dialog treten“ mit sich herum tragen. Türken aus der Türkei sind extrem kommunikative Menschen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Und glauben Sie mir, ich habe teilweise extreme Verrenkungen durchgeführt, um mit dem einen oder anderen Türken nicht in den Dialog treten zu müssen. Beispielsweise lag ich Mutter Seelen allein an einen ewig langen Strand in der Nähe von Antalya und erfreute mich der herrlichen unüblichen Ruhe. Diese währte auch nicht lange. Eine größere, Kinder reiche Familie tobte auf den Strand und schlug ihr Strand Domizil keine 7,50 m rechts von mir auf. Das Radio und den elektrischen Strand Buggy hatte man auch dabei. Ich ging dann eine Runde schwimmen. Danach nahm ich mein Handtuch und meinen kleinen Rucksack, rief dem Vater ein freundliches „ben cok yorgunum“ zu und machte zusätzlich auch eine Müdigkeitsgeste und wanderte dann 30 Meter in die andere Richtung, um mich dort wieder nieder zu lassen. Der Vater lächelte verständnisvoll zurück.

Keine 10 Minuten später – nein die Familie rückte jetzt nicht auf 7,50m Entfernung nach – nein, der Vater schlenderte nur an mich heran und meinte, es sei schon sehr schwer am Strand ein Auge zu zu bekommen und cok gefährlich, die November Sonne hätte noch sehr viel Kraft. In Anbetracht dessen, dass meine Hautfarbe der eines Afrikaners aus Simbabwe glich, stimmte ich ihm höflicherweise zu und bedankte mich für diesen lebensrettenden Hinweis. Er sprach sogar gebrochenes Deutsch. Hatte er auf Prosper 4 in Bottrop gelernt. Tja, die Türken machen es einem nicht leicht, Türkisch zu lernen. Es endete damit, dass ich auf der Decke der Familie landete und eine Portion Köfte mit Ayran vertilgen durfte. Auch nicht schlecht. Den Kindern durfte ich dann ein wenig Deutsch beibringen. Gut für die Zukunft der Kinder, meinte der Vater.

 

Kommen wir zurück zum ersten Axiom von Watzlawick. Ich denke es dürften zwei Erkenntnisse deutlich geworden sein. Zum einen ist es unmöglich nicht nicht zu kommunizieren. Ihre nonverbalen Signale kommunizieren immer irgendeine Information die Ihr soziales Umfeld interpretiert. Die Frage ist nur, interpretieren diese Menschen Ihre Signale in Ihrem Sinn? Sind Menschen anderer Kulturen anwesend – das ist der zweite Aspekt – können Sie auf die Interpretation keinen oder nur sehr wenig Einfluss nehmen. Bezogen auf Menschen Ihres Kulturkreises, können Sie sehr wohl Einfluss nehmen. Kurzfristig kann dies auch durch rational gesteuerte Verhaltensweisen funktionieren. Sie sitzen bspw. in der Lobby einer Firma und warten auf Ihr Vorstellungsgespräch. Sie sitzen in einer sehr positiven adäquaten Sitzhaltung, Sie versprühen Eloquenz, Ihr Handy ist auf „lautlos“ gestellt und jeder der vorbei kommt wird freundlich gegrüßt, könnte ja sein, derjenige ist Beisitzer im Vorstellungsgespräch.

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Einen Tag vorher jedoch, in der Arztpraxis, hat Sie der Türke auf Ihre Western Stiefel angesprochen. Ihr „sozialer Kompetenz Pegel“ befand sich anders als heute, auf Normalstellung. D.h., Ihr Unterbewusstsein steuert spontane Reaktionen im sozialen Umfeld. Sie grummelten schlecht gelaunt „war wohl bei Karstadt im Schlussverkauf“ und rückten mehrfach unbequem auf Ihrem Stuhl hin und her ohne die Zeitung zu senken.

Zum Glück sind Sie heute besser drauf und haben heute Morgen noch vor dem Spiegel Ihr „bewusstes humanistisches Menschenbild“ trainiert. Die Empfangsdame betritt die Lobby und ruft: „Herr Müller, Herr Mutlu lässt bitten, kommen Sie, ich führe Sie in sein Büro!“. Mutlu? Mutlu? ….komischer Name. Mutlu ist türkisch und bedeutet „glücklich“. Herr Mutlu war gestern auch beim Arzt………..

 

Wie bringt man nun sein unterbewusstes Sozialverhalten in Einklang mit dem rationalen Sozialverhalten? (Das Bild mit dem Eisberg kennen Sie vielleicht schon aus einem anderen Kontext. Deutlich wird, dass das bewusste Bewusstsein, die Eisbergspitze, in eine andere Richtung treibt, als das Unterbewusstsein, der Teil des Eisbergs, der unter der Wasseroberfläche schwimmt.) Ein sehr wichtiger Weg ist es, sich bewusst regelmäßig bspw. mit den AXIOMEN Watzlawicks zu beschäftigen. Verhalten bewusst in Worte zu fassen und tief zu verinnerlichen. Vielleicht reagieren Sie nicht wie die Mutter Lenas. Lenas Mutter hatte noch nie was von Watzlawick gehört, aber einen Mutterinstinkt, der sie in dieser Situation richtig handeln lässt. Trifft das aber auch auf Sie im beruflichen Alltag zu, wo Kommunikation und Rhetorik für die eigene Position und das eigene Fortkommen überlebenswichtig sind?

Fortsetzung folgt!

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