Eines Trainers Herausforderungen: Entertainer, Besserwisser und Kampfhähne!

Diese Lerngruppen Analyse findet vor dem Hintergrund der PMP Zertifizierung statt, einem 5 tägigen Seminar, mit einer anspruchsvollen Prüfung.

 Sie haben dieses Bild sicherlich auch schon einmal gesehen: Verschiedene Tiere als Teilnehmer in einem Seminar. Da sitzt ein Löwe, ein Fuchs, ein Äffchen….jedes dieser Tiere symbolisiert einen bestimmten Teilnehmertyp. Der Löwe ist der informelle Führer, das Äffchen der Pausenclown, der immer einen witzigen Spruch parat hat, der Fuchs der cleverste, der es immer versteht, die klügsten Fragen zu stellen. Und dann gibt es da immer noch ein paar andere Tiere, z.B. der Ungläubige.

Der Ungläubige.

Der Ungläubige zweifelt in regelmäßigen Abständen die Ausführungen des Trainers an. Obwohl der „Ungläubige“ den Trainer vorher gegoogelt hat, die jahrelange Erfahrung in den zu vermittelnden Themen verifiziert hat, impliziert er in seinen Fragen ein tiefes Misstrauen. Irgendwann wurde mir klar: Das hat i.d.R. nichts mit dem Trainer zu tun. Es dominiert einfach nur die Lebensphilosophie des „Ungläubigen“, alles und jedes mindestens 3 x Mal zu hinterfragen.

So argumentiert man als Trainer freundlich und ausführlich aus dem Fundus jahrelanger Studien und Erfahrungen. Bei einem weiteren Nachhaken des „Ungläubigen“ wird die Frage durch den Trainer aus einer wechselnden Perspektive argumentiert, in der Hoffnung, dass dieses Maß an Flexibilität, den „Ungläubigen“ zufrieden stellt. Diese Prognose stellt sich jedoch meistens als „Fehlprognose“ heraus. Der „Ungläubige“ wagt es tatsächlich ein drittes Mal, mit den einleitenden Worten „Ja, aber….. ?

Für ein Seminar wie die PMP Zertifizierungsvorbereitung, sind solche Teilnehmer natürlich kontraproduktiv. Der Trainer muss den Scope von fast 500 DIN A4 Seiten optimal strukturiert in 35 Kontaktstunden vermitteln. Er kann nicht für jede Aussage Beweise referenzieren.

Jetzt stellen sich dem Trainer allmählich die Nackenhaare hoch. Er bemüht sich freundlich zu bleiben. Ihm geht durch den Kopf, dass die Thematik dieser Nachfragen etwa 0,005% des gesamten Prüfung relevanten Stoffs des PmBok Guides ausmachen könnte, bis jetzt aber schon 2 – 3% der Unterrichtszeit darauf verwendet wurden.

Lange Zeit dachte ich, wenn ich am nächsten Morgen die Beweise eindeutig referenziere, fasst der „Ungläubige“ Vertrauen und lässt von seiner Strategie ab. Falsch gedacht! Er fährt mit der Strategie des „3 maligen Hinterfragens“ fort, obwohl inzwischen auch die anderen Teilnehmer entnervt mit den Augen rollen.

Das Schöne an IT Seminaren wie MS Project ist, dass der Ungläubige hier wenig Ansätze für seinen Unglauben findet.

Teilnehmer

Die „Kommunikative“.

Wenn ich hier explizit die weibliche Form wähle, dann nicht, weil ich meine weiblichen Teilnehmer diskreditieren möchte. Ganz im Gegenteil! Der Anteil weiblicher Teilnehmer in den PMP Seminaren beträgt etwa 30%. 

Und es ist immer wieder begeisternd für mich zu sehen, wie die weiblichen Teilnehmer bei den morgendlichen Wiederholungen des Scopes des letzten Tages, einen Nachweis über ihre steigende Lernkurve erbringen, während sich die männlichen Teilnehmer müde an einer Tasse Kaffee festhalten und in den unsichtbaren Sprechblasen über ihren Köpfen der Ausruf „Streberin“ zu vermuten ist. Meine Erfahrungen zeigen, dass bei der Masse der männlichen Teilnehmer die Lernkurve erst nach einer mehrtägigen Latenzzeit, einen zögerlichen Anstieg vollzieht. (Keep cool) 

Bezogen auf die weiblichen Teilnehmer lese ich aber häufiger den Hinweis in ihrer Seminarbeurteilung, „Der Trainer ließ zu wenig Kommunikation im Seminar zu“.

Ich weiß, Seminare sollten auch dazu dienen, sich fachlich untereinander auszutauschen. Allerdings eignen sich die PMP Seminare nur bedingt dafür – möglichst nur in den Pausen. PMP Seminare müssen stringent umgesetzt werden, denn die meisten Teilnehmer sehen den größten Nutzen in der Darstellung der Prüfungs-relevanten Inhalte des PmBok Guides. Man will schließlich eine anspruchsvolle PMP Prüfung bestehen. Versuchen Sie als potenzieller Teilnehmer, dieses Seminar wie ein Projekt zu identifizieren, das auf der Zeitachse einen terminlich definierten Scope beinhaltet, der einem Terminziel unterliegt.

Auch das PMI fordert inzwischen mehr  Interaktion in den Seminaren. Allerdings gilt nach wie vor ein zeitlicher Ansatz von 35 Kontaktstunden: 90% meiner Teilnehmer honorierten die Präferenz der Stoff Vermittlung gegenüber einem intensiven Kommunikations Austausch

 Der „Ängstliche“.

Diese Beschreibung richtet sich primär an die Entscheider und Entsender von Teilnehmern. Gerade Zertifizierungsseminare, die mit einer Prüfung abschließen, üben bei manchen Teilnehmern erheblichen Druck aus. Schließlich wissen die meisten Kollegen von dem Vorhaben. Und gerade Teilnehmer, die vor dem Hintergrund der „Drei Faktoren Theorie“ McClealands in die Kategorie der „Vermeidung von Misserfolg Typen“ fallen, unterliegen einem erheblichen Di-Stress, der nur schwer zu kompensieren ist.

Wenn dann der Vorgesetzte noch einen Gruß mit auf dem Weg gibt „Müller, es kann nur ein Ergebnis geben: “PMP Prüfung bestehen!”, kommen die Teilnehmer schon mit schlotternden Knien ins Seminar.

Ein Teilnehmer verfiel mehrmals täglich fast ins Hyperventilieren, wenn er gebetsmühlenartig die Frage wiederholte: “Kommt die Frage genauso in der Prüfung vor?” Natürlich nicht! Fragen für die PMP Prüfung werden immer nur nachgeahmt. Und bei einem Pool von mehreren 1000 Fragen, können die 200 Prüfungsfragen auch Fragen enthalten, die im Training nicht besprochen wurden. Wenn manche Schulungsunternehmen damit werben, echte Fragen zu verwenden, handelt es sich um eine Desinformation.

Der „Introvertierte“

Unter Projektleitern eher selten der Fall: Ein Teilnehmer der die gesamte Woche keinen Kommentar abgibt, keine Frage stellt und in den Pausen nur am Rande dabeisteht. Auch auf den Versuch des Trainer durch gezielte Fragen den Teilnehmer  zu involvieren, weiterhin vornehme Zurückhaltung übt. Wenn ich am Ende der Woche die meisten meiner Teilnehmer von ihrer Persönlichkeit her einschätzen kann, dann ist der „Introvertierte“ immer noch ein unbeschriebenes Blatt.

Der „Besserwisser“.

Aus Sicht des Trainers  durchaus ein Teilnehmer, von dem auch der Trainer noch etwas lernen kann. Allerdings ist das nicht das Ziel des Seminars. Von daher häufig in PMP Seminaren kontraproduktiv, derweil der Trainer Inhalte mit Tiefgang oder an der Oberfläche behandelt, je nach Prüfungsrelevanz. Der „Besserwisser“ beißt sich aber meist an den Themen mit Oberflächen Charakter fest, was nicht Ziel führend für die PMP Prüfung ist.

Die „Kampfhähne“.

Wenn ich hier den Plural wähle, dann weil dieses Ereignis immer zwei Teilnehmer benötigt. Zugegeben, eine sehr seltene Konstellation. Zwei Teilnehmer, die sich von der ersten Minute an nicht riechen können. Gibt der eine Teilnehmer einen Kommentar ab, rollte der Andere mit den Augen, sagt der Andere einen intelligenten Satz, demonstriert der andere plakativ gesteigerte Langeweile. Leider bleibt es nicht dabei. Die Aktionen steigern sich bis hin zu verbalen Angriffen im Seminar. Dem Trainer bleibt nichts anderes über als den beiden Teilnehmern backstage eine Verwarnung auszusprechen, sie aus dem Seminar zu entfernen, da diese Verhaltensweisen die Atmosphäre in der Gruppe zu erheblich beeinträchtigt.

Eine der Hauptaufgaben eines Trainers ist es, eine positive Seminar Atmosphäre herzustellen. Im Zweifelsfall muss der Trainer Teilnehmer aus dem Seminar entfernen, wenn die Seminar Ziele durch destruktive Teilnehmer gefährdet werden.

 

Seminar

Der „Entertainer“.

Eine Rolle, die allen Teilnehmern im Seminar gut tut. Diese Rolle sollte ein Trainer ebenfalls ausfüllen. Eine gute Zweitbesetzung kann aber nicht schaden. Insbesondere, wenn der Trainer und der Teilnehmer auf einer Wellenlänge funken und sich gegenseitig den Ball zuwerfen, kann es zu einem Benefit für die Seminar Kultur werden.

Der „Konstruktive“.

Des Trainers Liebling. Der Konstruktive unterstützt
den Trainer wo er nur kann. Hinterfragt der „Ungläubige“ mal wieder eine
Aussage des Trainers, drückt er durch Körpersprache und Mimik sein Missfallen
darüber aus. In seinen Kommentaren spiegelt er die Aussagen des Trainers rundum
positiv. Er sitzt nach der Pause als erster im Schulungsraum, schreibt immer
intensiv mit und glänzt auch sonst durch Hilfsbereitschaft.


Fazit

Es gilt für einen Trainer, sich intensiv mit Menschentypen auseinanderzusetzen. Trainer, ohne Berufserfahrung in der Führung von Menschen, werden in den ersten Jahren mit erhebliche Problemen zu kämpfen haben.

Wenn in diesem Blog die positiven Rollen etwas zu kurz kommen, dann liegt es wohl daran, dass 90% aller Teilnehmer in den letzten 25 Jahren positive Rollen besetzten. Vor diesem Hintergrund erinnert man sich als Trainer insbesondere an problematische Rollen.

Aber gerade die Herausforderung auf unterschiedlichste Menschen zu treffen, macht den Trainerberuf so spannend. Jüngeren Akademikern kann ich wärmstens empfehlen, sich nach einer mehrjährigen beruflichen Praxis diesem Beruf zuzuwenden. Spannender, sind aus meiner Sicht nur noch die Berufe Bundespräsident, Psychologe und Fußballtrainer.

 

Renee Ossowski, PMP

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